«Der partnerschaftliche Dialog mit den Kunden spielt bei uns eine zentrale Rolle»

Im Gespräch mit Hans-Werner Gassner und Roland Matt

Die LLB-Gruppe hat zwei Drittel ihres Weges der strategischen Neupositionierung zurückgelegt. Wie zufrieden sind Sie?

Hans-Werner Gassner: Wir setzen erfolgreich und konsequent um, was wir uns mit der Strategie Focus2015 vorgenommen haben. Kosten und Komplexität konnten wir bereits im Vorjahr in erheblichem Mass verringern. 2014 haben wir die Profitabilität weiter gesteigert, aber auch gezielt in Innovationen und in die Zukunft investiert. Unsere drei Marktdivisionen haben ihren Fokus geschärft und das Ohr ganz nah bei ihren Kunden und Märkten.

Der Kunde steht im Mittelpunkt. Wo zeigt sich das?

Roland Matt: Mit jedem einzelnen Kontakt. Der partnerschaftliche Dialog mit den Kunden spielt bei uns eine zentrale Rolle. Das gibt uns immer wieder Impulse für Neuentwicklungen. Ein Beispiel ist unser innovatives Preismodell. In Liechtenstein sind wir die erste Bank und in der Schweiz gehören wir zu den ersten, die sowohl in der Vermögensverwaltung als auch in der Anlageberatung auf Retrozessionen verzichten. Damit kommen wir dem Bedürfnis unserer Kunden nach Transparenz, einer verständlichen Gebührenstruktur und einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis nach.

Und die Performance stimmt?

Roland Matt, Group CEO (Foto)

Roland Matt, Group CEO

Roland Matt: Absolut. Mit unserem Asset Management verfügen wir über eine ausgezeichnete Investmentkompetenz. Gleichzeitig unternehmen wir viel, um eine exzellente Beratung zu bieten. Zahlreiche Auszeichnungen zeigen, dass die LLB mit ihrem systematischen Anlageprozess, ihrem Know-how und ihrer Erfahrung für ihre Anleger deutlichen Mehrwert schafft. Bei den «24. Lipper Fund Awards» in der Schweiz wurde der Aktienfonds LLB Aktien Regio Bodensee (CHF) für seine absolute Performance über drei Jahre ausgezeichnet. Nach 2007 und 2008 erhielt er 2014 den Award in der Kategorie «Equity Switzerland Small and Mid Caps» bereits zum dritten Mal. Und erst kürzlich wurde dem LLB Strategie Ausgewogen (CHF) beim «14. FONDS professionell KONGRESS» in Mannheim der «Deutsche Fondspreis» verliehen. In der Kategorie «Mischfonds Global Multi Asset» erhielt er das Prädikat «herausragend». Für unsere Kunden ist die Investmentkompetenz ein zentrales Kriterium für die Wahl ihrer Bank.

Wie wichtig sind heute Stabilität und Sicherheit?

Hans-Werner Gassner: Zuverlässigkeit und Sicherheit zählen in der Finanzindustrie mehr denn je. Kunden legen Wert auf eine finanziell stabile Bank. Eine solide Eigenkapitalbasis bietet Kunden, Aktionären und Mitarbeitenden ein wichtiges Fundament. Mit einem Eigenkapital von 1.8 Mia. Franken steht die LLB-Gruppe für Stabilität und Sicherheit.

Welche Überzeugung drückt der neue Slogan der LLB «Tradition trifft Innovation» aus?

Roland Matt: Wir verbinden Werte, die in einem Spannungsfeld stehen. Beim Slogan fokussieren wir auf ein Wertepaar. Um die Zukunft mit zu gestalten, braucht es beides: Tradition und Innovation. Dafür steht die Marke Liechtensteinische Landesbank. Unsere Neupositionierung fusst auf einem stabilen Fundament: der starken Verwurzelung in Liechtenstein seit über 150 Jahren. Sicherheit und Stabilität sind wichtig. Das ist bei uns Tradition. Hinzu kommt unsere Innovationskraft. Diese ist im digitalen Zeitalter in einer wissensbasierten Wirtschaft entscheidend für den Erfolg.

Wie beurteilen Sie das Geschäftsjahr 2014?

Roland Matt: Die konsequente Umsetzung der Strategie Focus2015 stand für uns im Mittelpunkt des Jahres 2014. Unser Schwerpunkt lag auf marktorientierten strategischen Initiativen, die alle nach Plan verliefen. Die LLB-Gruppe bekam zugleich aber die Folgen des anhaltenden Tiefzinsniveaus und die Zurückhaltung der Anleger zu spüren – dies trotz guter Kurse an den Aktienmärkten.

Ungeachtet dieses Gegenwinds weist die LLB-Gruppe für 2014 ein solides operatives Ergebnis aus. Sie konnte den Jahresgewinn deutlich steigern. Das Konzernergebnis belief sich auf CHF 72.6 Mio. und liegt damit 35 Prozent über dem Vorjahr. Die verwalteten Kundenvermögen erhöhten sich um 2 Prozent auf CHF 50.2 Mia. und die Kundenausleihungen stiegen um 4.7 Prozent auf CHF 10.7 Mia.

Wie realistisch sind die Finanzziele, die Sie mit Focus2015 festgelegt haben?

Roland Matt: Ein Ziel haben wir mehr als erreicht: Mit einer Tier 1 Ratio von 18.3 Prozent steht die LLB-Gruppe − wie seit vielen Jahren – weiterhin für Sicherheit und Stabilität. Gleichzeitig aber wirkt unsere hohe Zinssensitivität belastend. Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank im Januar 2015, den Euro-Mindestkurs aufzuheben und auch die negative Marktzinssituation haben die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Trotz erfolgreicher strategischer Neupositionierung werden aus heutiger Sicht voraussichtlich nicht alle quantitativen Ziele, die wir uns für den Zeitraum 2013 bis 2015 gesteckt haben, erreicht werden können, insbesondere nicht diejenigen hinsichtlich der Cost-Income-Ratio und des kumulierten Konzernergebnisses.

Focus2015 ist Ende 2015 umgesetzt, welche Strategie kommt danach?

Hans-Werner Gassner: Die Entwicklung der Nachfolgestrategie wird ein Hauptthema im Jahr 2015 sein. Focus2015 ist die Antwort der LLB-Gruppe auf das veränderte Umfeld mit volatilen Finanzmärkten, historisch tiefen Zinsen, einem starken Wettbewerb, steigendem Margendruck und einer zunehmenden Regulierung. Mit der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank hat sich die Ausgangslage verschärft. Das Markt- und das Zinsumfeld werden sich in absehbarer Zeit kaum verbessern. All diese Aspekte werden in die Erarbeitung der Strategie nach 2015 einfliessen, wobei wir auf einer Position der Stärke aufbauen.

Was sind die Stärken der LLB-Gruppe?

Dr. Hans-Werner Gassner, Präsident des Verwaltungsrates (Foto)

Dr. Hans-Werner Gassner,
Präsident des Verwaltungsrates

Hans-Werner Gassner: Mit unserer Strategie Focus2015 haben wir entschieden gehandelt und uns dem neuen Wettbewerbsumfeld angepasst. Dazu gehören die Fokussierung auf Kunden in ausgewählten Märkten, die Profitabilisierung, die konsequente Prozessoptimierung und die Umsetzung innovativer Lösungen. Unsere Vision und unser Leitbild verstärken die Positionierung als Bank, die glaubwürdig ihre Werte lebt.

Zudem verleiht die Verbindung von innovativem Preismodell mit der vielfach ausgezeichneten Investmentkompetenz der LLB-Gruppe eine starke Position. Mit unserer soliden Eigenkapitalausstattung von ausschliesslich hartem Kernkapital verfügen wir über eine weiterhin hohe finanzielle Stabilität und über Sicherheit. Nicht zu vergessen unsere Eigentümerstruktur. Unser Hauptaktionär, das Land Liechtenstein, gehört zu den vierzehn Ländern weltweit, die ein AAA-Rating besitzen.

Mit welchen strategischen Initiativen haben Sie 2014 in die Zukunft investiert?

Roland Matt: Lassen Sie mich aus der Vielzahl von Massnahmen ein paar Highlights herausgreifen: Mit unserem wegweisenden retrofreien Preismodell gehören wir zu den Vorreitern. Eine Erfolgsstory ist auch unser Online und Mobile Banking. Seit Dezember 2013 stellen wir unseren Kunden eine attraktive und innovative Mobile Banking App für iOS und seit Juni 2014 auch für Android-Smartphones und -Tablets zur Verfügung.

Kundennähe und Finanzkultur beginnen bei uns bereits im Klassenzimmer. Mit dem Dienstleistungsangebot «young Liechtenstein» und «young Linth», kurz «youli», festigt unser Retail & Corporate Banking die starke Marktposition von LLB und Bank Linth im Jugendsegment.

Die Marktdivision Private Banking stärkt mit ihren Investitionen ebenfalls die Kundennähe der LLB-Gruppe. Wir haben 2014 die Beraterteams in den Wachstumsmärkten Zentral- und Osteuropa sowie Mittlerer Osten vergrössert. Zudem haben wir das marktspezifische Produktangebot weiter ausgebaut und ermöglichen unseren Kunden den Zugang zu den Aktienmärkten in Dubai und Abu Dhabi.

Auch die Partnerschaft mit den Intermediärkunden hat für uns einen hohen Stellenwert. Die Marktdivision Institutional Clients stellt mittels der innovativen Online-Plattform «LLB Xpert views» strukturiertes, erprobtes und aktuelles Know-how in den Bereichen Investment, Recht und Steuern zur Verfügung.

Welche Schwerpunkte haben Sie für 2015 aufgegleist?

Roland Matt: Das Schwergewicht legen wir auf Projekte, die unseren Kunden einen wirklichen Mehrwert bieten. Beispielsweise werden sie ab Ende 2015 von einer innovativen Art der Anlageberatung profitieren. Damit differenzieren wir uns von unseren Wettbewerbern und schaffen für unsere Kunden ein ganz neues Beratungserlebnis mit dem Ziel, massgeschneiderte Portfolios zusammenzustellen.

Zugleich setzen wir konsequent auf Omnikanal Banking und werden 2015 eine Strategie konzipieren, um die Bankfiliale mit Online Banking und Mobile Banking zu verbinden. Zurzeit erhält Sargans eine neue, auf die Zukunft ausgerichtete Bankfiliale, mit der unsere Tochtergesellschaft Bank Linth auf sich aufmerksam macht. In der Kundenzone wird Beratung zum Erlebnis und Selbstbedienung bei Bank- und Finanzgeschäften zum Standard.

Als Unternehmerbank führen wir Mitte 2015 gruppenweit ein umfassendes Beratungs- und Betreuungskonzept für kleine und mittlere Unternehmen ein. Dazu entwickeln wir eine für Firmenkunden passgenaue Angebotsstruktur, wobei wir Kundenbedürfnisse über verschiedene Vertriebskanäle individuell und zielgerichtet erfüllen. Zudem beschleunigen und perfektionieren wir auf der Basis des Lean Management die Abläufe bei Kredit- und Kundeneröffnungsprozessen.

Ein aktuelles Thema wird 2015 der automatische Informationsaustausch sein.

Hans-Werner Gassner: Liechtenstein zählt zu den 52 Ländern, die am 29. Oktober 2014 das Abkommen über den automatischen Informationsaustausch unterzeichnet haben. Damit sind wir im Jahr 2017 zum Austausch der Daten von 2016 verpflichtet. Die LLB-Gruppe treibt den Transformationsprozess bereits seit 2012 aktiv voran und nimmt damit in der Umsetzung der Steuerkonformitätsstrategie des Landes Liechtenstein eine Vorreiterrolle ein. Sie hat bereits am 1. Oktober 2012 für Neukunden einen risikobasierten Ansatz mit steuerlicher Selbstdeklaration zum Standard erklärt und wendet diesen seit 2014 auch auf Bestandskunden an.

Zudem haben wir im Zuge der Fokussierung auf Kunden in unseren Zielmärkten entschieden, in einem ersten Schritt ab 1. August 2014 nur noch Neukunden mit Domizil in klar definierten Ländern aufzunehmen. Wir konzentrieren uns dabei auf unsere Onshore-Märkte Liechtenstein, Schweiz und Österreich, auf ausgewählte Märkte in Westeuropa und auf die Wachstumsmärkte Zentral- und Osteuropa sowie Mittlerer Osten.

Wo sehen Sie den Finanzplatz Liechtenstein in Zukunft?

Hans-Werner Gassner: Die Wettbewerbsvorteile des Finanzplatzes sind die Tradition in der Vermögensverwaltung, die Beratungs- und Servicequalität sowie der hohe Stellenwert von politischer Stabilität und Sicherheit. Das grenzüberschreitende Private Banking bleibt auch künftig ein tragender Pfeiler. Um für Privatkunden, Unternehmen und institutionelle Kunden attraktiv zu sein, gilt es die Qualität der Akteure, der Dienstleistungen und der Produktpaletten hoch zu halten.

Bei zunehmender Regulierungsdichte sind Behörden und Politik gefordert, den Finanzplatz auch weiterhin mit stabilen und verlässlichen Rahmenbedingungen zu unterstützen. Die Anpassung des Finanzplatzes Liechtenstein und der LLB-Gruppe an die neue regulatorische Umgebung ist bereits weit fortgeschritten.

Was erwarten Sie für das Jahr 2015?

Roland Matt: Die Banken agieren nach wie vor in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, das von hoher Volatilität und historisch niedrigen Zinsen geprägt ist. Mit der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank, den Mindestkurs des Schweizer Frankens zum Euro aufzuheben, sowie aufgrund der negativen Marktzinssituation hat sich die Ausgangslage akzentuiert. Insgesamt befindet sich die LLB-Gruppe in einer Position der Stärke. Wir haben in den letzten zwei Jahren sehr viel erreicht und begegnen den Herausforderungen aktiv. Der Prozess der Fokussierung ist weit fortgeschritten und zeigt sich in der höheren Profitabilität. Gleichzeitig überzeugen wir mit einem soliden Jahresergebnis. Für das Jahr 2015 streben wir eine weitere Verbesserung der operativen Leistung an. Wir werden die Strategie Focus2015 und unsere Neupositionierung konsequent vorantreiben und damit unsere Stärken weiter ausbauen.

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