«Kunden immer neu begeistern»

Im Gespräch mit Hans-Werner Gassner und Roland Matt

Mit der Strategie Focus2015 hat die LLB-Gruppe eine klare Position im Markt erreicht. Ist sie nun fit für die Zukunft?

Hans-Werner Gassner: Ja. Vor drei Jahren haben wir das Versprechen abgegeben, die LLB-Gruppe fit für die Zukunft zu machen. Dieses Versprechen haben wir eingelöst. Fokussierung und Strukturbereinigung sind durchgeführt, Kosten und Komplexität haben wir erheblich reduziert und die Profitabilität markant erhöht. Die Konzentration auf Kernkompetenzen ermöglicht mehr Effizienz.

Entscheidend war auch, dass wir nicht nur an der Kostenschraube gedreht, sondern zugleich Innovationen vorangetrieben und uns in den Dienst unserer Kunden gestellt haben. Mit unseren drei Marktdivisionen lassen wir unsere Kunden Tag für Tag spüren, dass wir uns zu einem Banking bekennen, das einen konsequenten Umgang mit Werten pflegt.

Welche Werte machen Ihr Unternehmen unverwechselbar?

Hans-Werner Gassner: Um ein Unternehmen mit mehr als 900 Mitarbeitenden erfolgreich in die Zukunft zu führen, braucht es gemeinsame Vorstellungen über das, was wir erreichen möchten und wie wir es erreichen möchten. «Wir setzen Standards für Banking mit Werten». Das ist unser Anspruch und unser Ehrgeiz für die kommenden Jahre. Gleichzeitig leben wir unsere gemeinsamen Werte − integer, respektvoll, exzellent und wegweisend. Der Satz «Tradition trifft Innovation» bringt auf den Punkt, wie sich die LLB differenziert: Wir schaffen Mehrwert, indem wir Werte verbinden, die in einem Spannungsfeld stehen. Unsere Position fusst auf einem stabilen Fundament: der starken Verwurzelung in Liechtenstein. Hinzu kommt unsere Innovationskraft.

Und im Vertrauen der Kunden spiegelt sich das Vertrauen Ihrer Mitarbeitenden wider?

Roland Matt, Group CEO (Foto)

Roland Matt, Group CEO

Roland Matt: Die Mitarbeitenden sind der wichtigste Erfolgsfaktor. Der erfolgreiche Abschluss von Focus2015 ist ein Verdienst unserer Mitarbeitenden. Ihre Meinung ist uns wichtig. Deshalb führen wir regelmässig Mitarbeiterumfragen durch. Bei der Befragung im Jahr 2015 lag die LLB-Gruppe bei allen relevanten Punkten über dem Branchendurchschnitt. Das Commitment der Mitarbeitenden ist mit 85 von 100 Punkten beachtlich hoch und gewährleistet den für uns so zentralen partnerschaftlichen Dialog mit unseren Kunden.

Die LLB-Gruppe agiert aus einer Position der Stärke. Was sind die entscheidenden Merkmale?

Roland Matt: Mit einem fokussierten Geschäftsmodell wissen wir, wohin wir gehen. Wir haben, was den Beitrag zum Ergebnis betrifft, drei gleich starke Marktdivisionen. Sie stellen die Kunden konsequent in den Mittelpunkt. Die Ertragsstruktur gestaltet sich mit einem ausgewogenen Verhältnis von Zins- und Anlagegeschäft diversifiziert. Und wir haben das Kostenmanagement im Griff.

Unsere Kultur der Service-Exzellenz erweist sich als herausragend. Und renommierte internationale Ratings bestätigen immer wieder, dass die Investmentkompetenz eine unserer grossen Stärken ist. Als Fundament verfügen wir über eine stabile Eigentümersituation. Das Land Liechtenstein, das weltweit zu den dreizehn Ländern mit einem AAA-Rating gehört, ist mit 57.5 Prozent des Aktienkapitals Hauptaktionär der LLB.

Wer die Zukunft mitgestalten will, muss seine Kunden auch mit Innovationen immer wieder begeistern. Was haben Sie 2015 auf den Weg gebracht?

Roland Matt: Kunden sind «smart»: Sie informieren sich, vergleichen, interagieren und reagieren in den von ihnen bevorzugten Kanälen, und das vermehrt digital. Dies beinhaltet Möglichkeiten, die wir gezielt anpacken. Ob für Jugendliche, Privatkunden, Firmenkunden oder Finanzintermediäre – wir zeigen mit zahlreichen Initiativen Innovationskraft. Lassen Sie mich drei herausgreifen:

So profitieren unsere Firmenkunden von einem umfassenden Beratungs- und Betreuungskonzept mit transparenten Leistungen und Konditionen. Zudem haben wir ein Omnikanal-Banking-Zielbild entwickelt, das unsere Vision des nahtlosen Kundenerlebnisses beschreibt. Die Bank Linth in Sargans sorgt mit ihrer Geschäftsstelle für besonders positive Kundenerfahrungen. In einer multimedialen Kundenzone wird die Beratung zum Erlebnis, während wir die Selbstbedienung bei Bank- und Finanzgeschäften als Standard etablieren.

Um investieren zu können, muss das Ergebnis stimmen …

Roland Matt: Das trifft 2015 erneut auf erfreuliche Weise zu und zwar trotz des anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds mit volatilen Finanzmärkten, historisch tiefen Zinsen und einer zunehmenden Regulierung. Mit der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank, den Mindestkurs des Schweizer Frankens zum Euro aufzuheben und Negativzinsen einzuführen, hat sich die Ausgangslage nochmals akzentuiert. Dennoch konnten wir 2015 den Jahresgewinn deutlich um 19.7 Prozent steigern. Das Konzernergebnis belief sich auf CHF 86.3 Mio. Der Geschäftsaufwand hat sich auf unter CHF 240 Mio. reduziert, der Personalbestand sank unter die Zielmarke von 840 Vollzeitstellen. Wir haben das operative Konzernergebnis deutlich gesteigert. Dies ist uns nicht nur durch ein striktes Kostenmanagement gelungen, sondern auch durch die Rentabilisierung unserer Dienstleistungen sowie zahlreiche Innovationen bei unseren Produkten und Dienstleistungen.

Ein Wort zu Stabilität und Sicherheit: Was heisst das im digitalen Zeitalter?

Hans-Werner Gassner: Kunden, Aktionäre und Mitarbeitende legen Wert auf eine finanziell stabile Bank. Zuverlässigkeit und Sicherheit zählen in der Finanzindustrie mehr denn je. Das zeigt nicht zuletzt die international geführte Diskussion um das Mass des notwendigen Eigenkapitals. Ein Sockel ausreichender Eigenmittel ist eine Voraussetzung für eine solide Bank. Dies gehört bei der LLB-Gruppe seit vielen Jahren zur Tradition.

Mit einem Eigenkapital von CHF 1.8 Mia. und einer Tier 1 Ratio von 20.6 Prozent sind wir ein sicherer Hafen der Stabilität. Sicherheit im digitalen Zeitalter heisst aber nicht nur verantwortungsvoll mit Kundengeldern umzugehen, sondern auch mit Kundendaten und Informationen. Noch nie hatten wir so einfachen Zugang zu Wissen und Informationen wie heute. Das verdanken wir der Digitalisierung. Dennoch sollte jeder im Auge behalten, dass der Mensch mehr ist als ein Datenprofil.

Nach Focus2015 kommt StepUp2020. Mit welchen zentralen Punkten?

Hans-Werner Gassner: Mit dem erfolgreichen Abschluss von Focus2015 stehen wir an einem entscheidenden Wendepunkt. Wir sind bereit für eine neue strategische Ausrichtung mit StepUp2020. Der Name der neuen Strategie bringt es auf den Punkt: Mit «step up» verbinden sich Begriffe wie «steigern», «beschleunigen», «stufenweise zulegen». Nach einer Phase der strategischen Fokussierung und Straffung stellen Wachstumsambitionen eine Wende dar. Künftig liegt das Augenmerk auf den vier Kernelementen Wachstum, Profitabilität, Innovation und Exzellenz.

Was haben Sie sich für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Dr. Hans-Werner Gassner, Präsident des Verwaltungsrates (Foto)

Dr. Hans-Werner Gassner,
Präsident des Verwaltungsrates

Roland Matt: Die LLB-Gruppe setzt auf forciertes organisches Wachstum aus eigener Kraft plus gezielte Akquisitionen in den Heimmärkten Liechtenstein, Schweiz und Österreich. Um im aktuellen Tiefzinsumfeld die Erträge zu steigern, wollen wir herausragende Produkte und Dienstleistungen lancieren. Unser Omnikanal-Banking-Zielbild beinhaltet wegweisende digitale Lösungen verbunden mit einem führenden Geschäftsstellenkonzept. Allein in die Digitalisierung werden wir bis 2020 rund CHF 30 Mio. investieren. Wir wollen das Standardgeschäft automatisieren und das Vertrauensgeschäft individualisieren. Gleichzeitig werden wir für sämtliche Prozesse die Grundsätze des Lean Management in unserer Organisation verankern. Nicht zuletzt setzen wir auf hohe Compliance-Standards und ein herausragendes Kompetenzniveau.

Welche Finanzziele peilen Sie mit StepUp2020 an?

Hans-Werner Gassner: In einem sehr detaillierten Strategieprozess haben wir im Jahr 2015 definiert, wo wir bis im Jahr 2020 stehen wollen. Wir können auf dem Erreichten aufbauen und werden unsere Kostendisziplin beibehalten. Wir wollen das Geschäftsvolumen auf über CHF 70 Mia. erhöhen und die Cost-Income-Ratio auf unter 65 Prozent senken. In den nächsten fünf Jahren wollen wir ein kumuliertes Konzernergebnis von mehr als CHF 500 Mio. erwirtschaften und unsere Eigenkapitalausstattung mit einer Tier 1 Ratio von über 14 Prozent hoch halten.

Die Konsolidierung im Bankensektor beschleunigt sich. Ein Grund für die LLB-Gruppe, gezielt zu akquirieren?

Hans-Werner Gassner: Tatsächlich sehen wir im derzeitigen Konzentrationsprozess gute Chancen, durch Akquisition in den Heimmärkten zu wachsen. Dafür stehen uns CHF 450 Mio. zur Verfügung. Dies erlaubt uns, weitere Synergien zu nutzen: Grössenvorteile, Kostenreduzierung und höhere Rentabilität. Allerdings muss eine Bank oder ein Portfolio zu unserem zukunftsfähigen Geschäftsmodell passen. Das beginnt bei den strategischen Zielmärkten und geht über die Kundensegmente bis hin zu unserer Wertekultur.

Was sind für die LLB-Gruppe die wichtigsten Themen 2016?

Roland Matt: Ab Ende März 2016 bieten wir mit einer innovativen Anlageberatungslösung ein völlig neues Erlebnis − in bislang einzigartiger Qualität. Wir werden zudem unsere Vertriebskraft an der Front stärken und neue Kundenberater einstellen.

2016 erweitern wir auch die Angebotspalette für Finanzintermediäre, erhöhen unsere Flexibilität bei der Preisgestaltung und intensivieren die Kommunikation. Im Retail & Corporate Banking wollen wir uns im Geschäft mit Privatkunden durch innovative Produktpakete im Markt differenzieren. Zugleich ist die private Finanzplanung ein Schwerpunktbereich, in dem die LLB-Gruppe über ein einzigartig umfassendes und vernetztes Know-how verfügt, das wir konsequent ausbauen.

Mit dem Projekt «Employer Branding» wollen wir die Attraktivität der LLB-Gruppe als Arbeitgeberin weiter steigern. Insgesamt werden wir die Strategie StepUp2020 konsequent vorantreiben, um profitabel zu wachsen sowie unsere Kunden durch Innovationen und Exzellenz immer wieder neu zu begeistern.